OPFER


OPFER, Theateraufführung Heinrich-Heine-Gymnasium Ostfildern. (Photo: © Jakob Schüssler)
© Jakob Schüssler

 

(Heinrich-Heine-Gymnasium Ostfildern)

 

Akrobaten, Jongleure und Tänzerinnen präsentieren ihre Kunsttücke auf der Bühne, begleitet von beschwingter Musik, ein heiteres, buntes Spektakel ist im Gange - ganz anders, als der Titel erwarten lässt, beginnt das selbst verfasste und inszenierte Theaterstück der Theater AG des Heinrich-Heine-Gymnasiums Ostfildern, das am

27. und 28. Januar im Theater An der Halle in Nellingen unter Leitung von Bettina Michel zur Aufführung gebracht wurde.

 

Ein fröhliches Schulfest ist im Gange, der Rektor ist ganz glücklich, dass seine Schule mal mit positiven Nachrichten aufzuwarten hat. Doch man ahnt es schon, alles ist nur schöner Schein, im Schulalltag spielen sich andere Szenen ab. Das bekommt vor allem Susanne, die neue Mitschülerin, zu spüren. Zielsicher nimmt sie die dominante Lisa gleich ins Visier und mobbt sie, wann immer sie nur kann.

Anfangs zu neu und zu schüchtern, um sich zu wehren, gerät sie schnell so unter Druck durch Lisa und ihre Gang, dass sie sich nicht mehr traut, sich irgendjemandem anzuvertrauen. Lisa nutzt dies hemmungslos aus und wird immer brutaler.

  Mitschüler, Lehrer und Rektor ahnen zwar, dass etwas schief läuft, agieren aber eher hilflos. Nur in einem sind sich alle einig: Lisa ist böse, dabei ist sie doch die Tochter, des engagierten Elternvertreter, der sich vollmundig für gute Erziehung stark macht. Keiner ahnt, dass Lisa selbst Opfer ist, wie nun in den Parallelszenen deutlich wird, die Einblick ins Familienleben des ehrenwerten Elternvertreters geben. Gestresst und überfordert beschimpft und schlägt er Frau und Töchter wegen jeder Kleinigkeit.

  Genauso einsam und verfolgt wie ihr Opfer lässt Lisa all ihre Wut an Susanne aus und schlägt sie nieder. Als diese reglos am Boden liegt, erschrickt Lisa selbst über ihre Tat. Sie ahnt, dass dies Konsequenzen haben wird und weiß nicht mehr ein und aus.   Auch sie hat niemand, der ihr hilft. Mutter und Schwester sind selbst hilflose Opfer.

Düstere Gedanken suchen sie heim, alle Gedanken an Hoffnung, Hilfe verschwinden, Verzweiflung, Depression umfängt Lisa, sie denkt an Selbstmord. All dies hat die Theatertruppe in einer alptraumhaften Szene beklemmend sichtbar gemacht: Man sieht Lisa, wie sie sich verhüllten Kapuzengestalten nähert, Halt sucht, Zuwendung sucht, doch diese wenden sich einfach nur ab, verlassen Lisa einer nach dem anderen, nur eine große, schwarze Gestalt mit Totengesicht bleibt, nähert sich ihr, reicht ihr die Hand zum Tanz …

  Abgesehen von der beeindruckenden schauspielerischen Leistung, die insbesondere den Hauptdarstellern, der „bösen“ Lisa (Karolina Bardy, K2) und dem vermeintlich netten Elternvertreter (Benjamin Kümmel, K1) sowie der gemobbten Susanne (Johanna Schüssler, 9c) viel abverlangte, beeindruckte die Inszenierung durch eben solche nur  in Tanz, Bewegung und Musik umgesetzten Szenen. Beleuchtung und Theaternebel, vom Technikteam unter der Leitung von Alex Reichert effektvoll eingesetzt, taten ein Übriges, eine gespenstische Atmosphäre zu schaffen.

  Die Musik dazu wurde eigens für das Stück komponiert und zwar von Schüler Jakob Schüssler, der am Klavier die Szenen selbst live begleitete und überdies auch noch als Lehrer in dem Stück mitspielte. Ein Multitalent, von dem sicherlich noch Vieles zu erwarten ist. 

  Dan Strölin überzeugte als bemühter aber oft hilfloser Rektor. Erwähnt werden sollten noch die Artisten, insbesondere Maro Boxleitner und Sportlehrer Liedtke, die als Jongleure und Bodenturner ihr Talent bewiesen. Kostüme nähten Maren Gröner und ihre Mutter. Regisseurin Bettina Michel hat mit diesem Stück erneut gezeigt, was Jugendliche bei richtigem Coaching selbst alles auf die Beine stellen können.

 

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